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Multiplikatoren vor Ort: z. B. die Kulturstiftung Marienmünster

Gegenwart mit Zukunft

nach einem Aufsatz von Gerd Drews, 2008

Nachdem der letzte Pächter die Bewirtschaftung des landwirtschaftlichen Besitzes der Derenthal´schen Stiftung Ende 1998 aus Altersgründen aufgab, standen drei große Wirtschaftsgebäude leer. Denkmalpfleger, Besitzer und viele der am Projekt Beteiligten stellten berechtigte Fragen, was in der Gegenwart und was in der Zukunft in einem Kloster sein kann:

Marienmünster war und ist wie viele Klosterorte ein

  • Ort der Gemeinschaft, des Zusammenseins
  • Ort des Rückzugs, der Einsamkeit, der Zuflucht
  • Ort der Religiosität, der Spiritualität
  • Ort der Kunst, Architektur, Ausstattung
  • Ort der Musik, des Musizierens
  • Ort der Schrift, des Schreibens, der Bücher
  • Ort des Wirtschaftens, der Arbeit
  • Ort der Bildung, des Wissens, der Gelehrsamkeit.
  • Ort als Landmarke und Zentrum des Landschaftsraumes
  • Ort der Heilkunde, der Klostermedizin, der Kräutergärten
  • Ort der Speisen und Getränke, Klosterküche und -keller
  • Ort der Zeit, der Beständigkeit, der Geduld, der Dauer
  • Ort der klaren Regeln und der eindeutigen Strukturen.

Aus all diesen Bedeutungen eines Klosters sind für Marienmünster Akzente für eine neue Nutzung gewählt worden, dem Ort und den vorhandenen Aktivitäten angemessen. Vor diesem Hintergrund wurde und wird seit 1999 zusammen mit den Eigentümern, der Stadt Marienmünster, der Bezirksregierung Detmold, dem Westfälischen Amt für Denkmalpflege und dem Planungsbüro Lohmann von Rosenberg Architekten, Brilon, über neue Nutzungsmöglichkeiten nachgedacht.

Im Frühjahr 2000 konnte bereits ein Nutzungskonzept für das gesamte Kloster vorgestellt werden. Es wurde vorgeschlagen, das Kloster als öffentliche Begegnungs- und Bildungsstätte mit musikalischem Schwerpunkt auszubauen und umzunutzen. Dabei wird die historische Konzeption wieder aufgenommen. Im Wirtschaftshof soll nach wie vor gearbeitet werden, und es befinden sich dort Zubehörräume zu den neuen Nutzungen dort.

Als erster Bauabschnitt in der Gesamtkonzeption wurde der Aus- und Umbau der drei Wirtschaftsgebäude der Deren­thal‘schen Stiftung – Schafstall, Reisescheune und Ackerhaus – geplant. Die Gebäude des ehemaligen Wirtschaftshofes sollen für örtliche und überörtliche Aktivitäten zur Verfügung stehen. Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit in den Bereichen der Heimat- und Denkmalpflege, des Naturschutzes, der Kunst- und Kulturpflege sollen hier aktiv betrieben werden. Das Kloster wird offen sein für Tagungen und Veranstaltungen, die von Vereinen, Organisationen oder Privatpersonen durchgeführt werden. Die Nutzung soll der herausragenden Bedeutung dieses Ortes gerecht werden, in dem als kulturelle Begegnungsstätte vorwiegend Aktivitäten aus allen Bereichen der Musikpflege, Forschung, Ausbildung, Fortbildung, Seminare und öffentliche Veranstaltungen ermöglicht werden. Ziel ist es, mit dieser neuen Nutzung den Erhalt der Gesamtanlage des Klosters langfristig sicherzustellen und dabei insbesondere auch seine baulichen und räumlichen Qualitäten wie Geschlossenheit, Großzügigkeit und Ruhe zu stärken.

Der Schwerpunkt im Bereich der Musik ergab sich von selbst durch die Nähe der Musikhochschule Detmold und die Aktivitäten der Gesellschaft der Musikfreunde der Abtei Marienmünster mit ihrem gut ausgewählten Konzertprogramm in der Klosterkirche. Darüber hinaus zeigte die Musikproduktion Dabringhaus und Grimm Audiovision GmbH aus Detmold großes Interesse an der Produktion ihrer hochwertigen Tonaufnahmen in den neuen Räumen. Anspruch des Unternehmens ist, alle Einspielungen in natürlicher Akustik und speziell ausgesuchten Konzerträumen aufzunehmen. So erhält jedes Werk die musikalisch sinnvolle Räumlichkeit, und die künstlerische Interpretation gewinnt größte Natürlichkeit und Lebendigkeit. Die Umsetzung dieses Konzeptes sorgt für einen unvergleichlichen Hörgenuss, was zahlreiche Auszeichnungen beweisen.

Der Schafstall wird aus- und umgebaut zu einem Konzertsaal mit Backstage, der etwa 200 Besuchern Platz bieten wird. Danach folgt die Reisescheune. Hier sind der Empfang und die Restauration untergebracht sowie kleinere Tagungs- und Konferenzräume. Das historische Ständerwerk des Gebäudes bleibt erhalten und wird in die neue Nutzung integriÜber die Frage, in welcher Form der Betrieb der öffentlichen Begegnungs- und Bildungsstätte zu organisieren ist, wurde längere Zeit diskutiert. Schließlich stellte sich eine gemeinnützige Stiftung als die beste Organisationsform dar.

Hier kommt die Derenthal´sche Stiftung ins Spiel. Diese private Stiftung kümmert sich in hervorragender und selbstloser Weise um den Erhalt des wichtigen Kulturdenkmals Kloster Marienmünster. Sie ist eine private Familienstiftung, die von Wilhelm Derenthal im Jahre 1871 gegründet wurde. Stiftungszwecke waren zum einen, Familienmitgliedern eine Ausbildung zu ermöglichen, zum anderen der Auftrag, den Besitz (Gebäude und landwirtschaftliche Grundstücke) in ihrem Wert ungeschmälert zu erhalten.

Im Laufe der Jahrzehnte wurde jedoch der erste Stiftungszweck nicht mehr verfolgt. Die Einnahmen aus der Verpachtung von landwirtschaftlichen Grundstücken wurden fast ­ausnahmslos dazu verwendet, die wertvollen Baudenkmäler, unter anderem auch die drei Wirtschaftsgebäude, von denen wir heute reden, zu erhalten. Das fiel, bedingt durch den Wandel in der Landwirtschaft, zuletzt immer schwerer. Gleichwohl will die Derenthal´sche Stiftung weiter ihren Beitrag dazu leisten, das Kloster in der Gesamtheit zu erhalten und die Kultur in der Region zu fördern. Auch vor diesem Hintergrund wurde die Kulturstiftung Marienmünster durch die Derenthal´sche Stiftung errichtet. Die Anerkennung erfolgte durch die Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl am 11. September 2006.

Aufgabe der Stiftung ist es, durch Pflege und Nutzung von Baudenkmälern der Anlage Kloster Marienmünster den Erhalt zu sichern und so Denkmalpflege zu betreiben. Ebenso gehört zu ihren Aufgaben, Wissenschaft, Kunst und Kultur am Ort der Kulturstiftung Marienmünster zu fördern und die vorhandene Flora und Fauna zum Wohle der Allgemeinheit zu schützen.

Mit der neu gegründeten gemeinnützigen Kulturstiftung Marienmünster werden neue Wege der Trägerschaft und der Finanzierung für diese Anlage beschritten, da sich solch große Objekte in der Regel weder aus rein privaten noch aus rein öffentlichen Mitteln finanzieren lassen.

Die Kulturstiftung Marienmünster wird von drei Säulen getragen:
  • die Dernthal´schen Stiftung,
  • die Hochschule für Musik in Detmold
  • die Stadt Marienmünster

Vertreterinnen und Vertreter dieser Institutionen bilden den Vorstand.

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