Vom Aufbau von Kulturprojekten und Netzwerken im ländlichen Raum

Dokumentation von Hans Hermann Jansen,
Künstlerischer Leiter der Gesellschaft der Musikfreunde e.V.

Redaktionelle Assistenz: Medienagentur Thomas Trappmann, Detmold

Gedanken zum Konzept

Künstler im Kloster – Multiplikatoren aus sich heraus

Wenn Gegenwart Geschichte wird, kann man mitunter anfangen, darüber zu erzählen oder zu schreiben. Deswegen sei an dieser Stelle ein kleiner Exkurs über die „Neuansiedlung“ von Künstlern gestattet.

Nachdem die Chorleiter- und Organistenstelle der kath. Kirchengemeinde vakant geworden war, bemühte man sich um einen Ersatz, was angesichts der ziemlichen Entfernung zu den größeren Zentren und der Fülle der Gottesdienste gerade an Hochfesten und Wochenenden keine leichte Aufgabe zu sein schien. Mit Wirkung vom 1.10.1992 konnte ein Arbeitsvertrag mit dem Detmolder Musikstudenten und Organisten der Detmolder Marienkirche, Hans Hermann Jansen, abgeschlossen werden; das erste Weihnachtskonzert 1992 mit den jungen Künstlern aus dem Begabtenzentrum der Überlinger Akademie Schloss Salem war die Feuertaufe, die es zu bestehen galt. Als vielseitig einsetzbarer Musiker für Marienmünster bezog Jansen schon bald eine Wohnung, um nicht immer zwischen den Diensten nach Detmold zurückfahren zu müssen, zuerst in einer leerstehenden Ferienwohnung über der evangelischen Kapelle, später in der Wohnung neben dem Westwerk, deren 1. Etage schon seit 1803 den Organisten zur Verfügung gestanden hatte, und schließlich im Haupthaus, der ehem. Abtei, die für die vielfältigen musikalischen Aktivitäten genügend Raum bot und gewissermaßen als Fortsetzung der Keimzelle durch die großzügige Bereitstellung der Wohnräume der Derenthal‘schen Stiftung wieder neues Leben in alten Mauern ermöglichte.

Nach einem Konzert im Jahr 1995 folgte der Einzug von Volker Schrewe in das freigewordene Haus mit dem Taubenturm des Gutspächters Arens. Die Vielseitigkeit des Sängers und Chorleiters Volker Schrewe vom Umgang mit Bläsern bis zur unterhaltsamen Begleitung von Kreuzfahrten und Firmenfeiern sorgte für eine intensive Verbreitung des neuen Marienmünster-Gedankens.

In der Folge siedelte sich der Pianist Michael Seewann und wenig später die Logopädin Judith Nabel an. Beide mussten jedoch aufgrund beruflicher Veränderungen Marienmünster wieder verlassen. Die Vernetzung mit den Aufgaben in der Region, angefangen von den Chören über Instrumentalunterricht oder die Gestaltung von festlichen Anlässen, konnte fortan mit der Abtei Marienmünster in Verbindung gebracht werden.

Im Jahre 2002 bezog der bedeutende Komponist und emeritierte Hochschulprofessor Walter Steffens sein Domizil in der Abtei – ein Glücksfall für den Künstlerkonvent, da seine Reputation und sein Wirken schon seit langem mit Westfalen und insbesondere mit dem historischen Kulturraum der Annette von Droste-Hülshoff in Verbindung stand (Anm.: Die ­Judenbuche, Oper nach der Novelle der Dichterin).

Auch der Sänger, Bildhauer und Architekt Fabian Rabsch richtete in einer ehem. Speisekammer und Waschküche ein Atelier ein und begann seine Arbeit, damit zugleich seinen Beitrag in und an dem Wirkraum Marienmünster.

Auch hier darf nicht vergessen werden, dass die Großzügigkeit der Derenthal‘schen Stiftung dieses neue Leben enorm begünstigte, da bei künstlerischem Gestalten eine Fülle von Ideen und Arbeiten nicht unbedingt zuerst nach finanziellen Erträgen fragen kann.

Ein dauerhafter Faktor in der Entwicklung der Abtei und der Umgebung ist die Arbeit der Gesellschaft der Musikfreunde. Dieser eingetragene Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, das kulturelle Potenzial dieses Ortes zu entwickeln. So darf man aus dem bisher Beschriebenen und Erlebten feststellen, dass es schon, bevor ein Nutzungskonzept erstellt wurde, eine informelle Nutzung der Künstler vor Ort gab, denn das Kloster war wie dafür gemacht. Die neue Idee eines Musikkonvents ist die logische Folgerung, die nun den freien Kräften eine gewisse Ordnung verleiht.